Geld- und Werte-Erziehung ohne Taschengeld

Ratgeber Finanzerziehung ohne Taschengeld

Regelmässiges Taschengeld und ein Sparschwein oder eine andere Spardose sind in unseren Breitengraden in vielen Familien das Mittel der Wahl, wenn die Kinder Fähigkeiten rund um den Umgang mit Geld und Konsum lernen sollen. Tipps und Informationen über diese Art der Wissensvermittlung finden Sie im Netz und in jeder Buchhandlung.

Viele Eltern geben Kindern aber kein Taschengeld – weil es in Ihrem Herkunftsland unüblich war, aus Überzeugung oder schlicht auch weil das Geld für ein Taschengeld nicht reicht. Hilfestellungen, Ratgeber und Tipps für Eltern dieser Gruppen sind schwer zu finden.

Hier ein paar Ideen, die Sie dabei unterstützen können, Ihrem Kind ohne Taschengeld Basiswissen rund um einen bewussten Umgang mit Geld auf den Lebensweg zu geben. Gleichzeit stärken Sie sein Selbstbewusstsein und fördern eine Wertediskussion in der Familie.

Ziel:
Kinder erleben, dass Sie durch ihr eigenes Tun etwas bewegen und beeinflussen können. Aus diesen Erlebnissen schöpfen sie Kraft und Selbstbewusstsein. Sie lernen, sich über ihre Wünsche und Werte Gedanken zu machen und gehen gestärkt und selbstbestimmter mit schwierigen Situationen um, sei es in der Schule oder später im Berufsleben. Und sie lernen etwas darüber, was das Leben kostet.

(Familien, die Taschengeld geben, können diese Beispiele als Zusatz zum Taschengeld anwenden.)

Taschengeld ist nicht die einzige Möglichkeit, mit Geld umgehen zu lernen: Wertediskussionen in der Familie sind wichtiger als Taschengeld

Diskutieren Sie mit dem Kind, was es gerne hat und was ihm wichtig ist. Das können Dinge sein, die Geld kosten, wie ein Spielzeug und solche, die nichts kosten, wie ein Spielenachmittag bei Oma.

Belohnungssystem statt Geld

Mit Belohnungssystemen können Kinder Punkte sammeln. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sich Punkte verdienen kann, die es in Belohnungen umwandeln kann. Es gibt Dinge, für die es Punkte erhält und solche, die nicht dazu gehören:

– Punkte gibt es nur für spezielle Dinge, nicht für die normalen Arbeiten im Haushalt/in der Familie/für die Schule.

Es ist wichtig, diese Grenze zu ziehen. Denn eine Familie ist eine Gemeinschaft, in der alle mithelfen und Verantwortung übernehmen sollten. Die normalen Arbeiten werden daher nicht mit Punkten belohnt (sonst kommt der Moment, ab dem Ihr Kind nichts mehr beiträgt, ohne dafür belohnt zu werden, also zum Beispiel eine Belohnung erwartet, weil es sein Zimmer aufräumt).

Wie viele Punkte für welche Verdienste

Eltern können ein für ihre Familie passendes Wertungssystem einführen, um zu bestimmen, wie viele Punkte oder welche Belohnung ihr Kind für was bekommt.

Beispiel: Je mehr Zeit, körperliche Anstrengung, Überwindung es dazu braucht, je mehr das Kind unaufgefordert handelt oder etwas am Wochenende tut, desto höher können Sie seinen Einsatz bewerten. Wenn es z.B. aus eigenem Antrieb am Wochenende eine Arbeit seines Bruders übernimmt – etwa eine halbe Stunde mit dem Hund spazieren gehen – damit der Bruder sich besser auf eine Prüfung vorbereiten kann, ist dies mehr Punkte wert, als wenn Sie es darum bitten. Falls es auch noch regnet, gibt’s nochmals Extrapunkte.

Dieses Bewertungssystem lässt sich an die finanziellen Möglichkeiten der Familie anpassen, an Werte, die den Eltern wichtig sind und muss nicht in Zahlen (€/CHF) festgelegt werden.

Beispiele: Punkte verdienen

  1. Finanzerziehung, Junge OKEin Buch ohne Aufforderung lesen
  2. Opa helfen, die schwere Einkaufstasche reinzutragen
  3. Wasser/Sirup/Tee statt Cola trinken
  4. Zu Fuss/mit dem Fahrrad ins Training, statt dass Sie es mit dem Auto hinfahren
  5. Statt einem Schokoriegel einen Apfel mit in die Schule nehmen
  6. Für die Familie Kräuter oder Blumen pflanzen und sich selbstständig darum kümmern

Bei Beispielen wie 1 und 2 spart die Familie kein Geld.

Das Kind investiert aber zusätzlich zu den Hausaufgaben Zeit in seine Bildung oder tut anderen aus eigenem Antrieb etwas Gutes. Solche Aktivitäten können Sie in Ihre „Punkte-Rechnung“ einbeziehen und zum Beispiel mit einem Eis im Freibad belohnen. Erwähnen Sie zu dem Zeitpunkt, warum es das Eis erhält.

Bei den Beispielen 3 bis 6 spart die Familie Geld.

Wenn Sie Ihrem Kind erklären, wie die Familie dadurch sparen kann, lernt es etwas über Lebenskosten und versteht besser, wofür es Punkte erhält:

– Wasser/Tee/Sirup/Äpfel kosten weniger als Cola/Schokoriegel und es besteht die Chance, dass weniger Zahnarztkosten (inkl. Hin- und Rückfahrt) auf die Familie zukommen. Bei diesen Beispielen können Sie selbstverständlich auch einen Teilverzicht vorschlagen: Unter der Woche gilt die Regelung, am Wochenende nicht.

Tipp: Setzen Sie sich mit dem Kind an einen Tisch und rechnen Sie zusammen auf einem Blatt Papier aus, wie viele Flaschen Cola Sie mit Sirup/Tee ersetzen können und wie viel Geld die Familie dadurch spart.

Zusatztipp: Frieren Sie mit dem Kind zusammen Pfefferminzblätter in Eiswürfel ein oder stellen Sie welche aus Sirup her (das erlaubt Ihnen zusätzlich die Portionierung des Sirups auf ein „verträgliches“ Mass).

– Alleine oder in Ihrer Begleitung zu Fuss oder mit dem Fahrrad zum Training gehen statt mit dem Auto – das führt zu Einsparungen. Sie haben weniger Ausgaben für Treibstoff und wenn das Profil abgefahren ist, kostet ein neuer Autoreifen viel mehr als ein Fahrradreifen. Fallen für das Auto Parkgebühren an, können Sie auch die erwähnen. Mit älteren Kindern können Sie über Wertverlust, Abschreibungen sprechen.

– Gemüse/Blumen anpflanzen: Die Familie spart Geld, weil Sie weniger einkaufen müssen. Mir gefällt diese Idee besonders gut, da die Kinder sich über einen längeren Zeitraum selbstständig um etwas kümmern müssen, warten lernen und erleben, wie etwas wächst.

Starke Kinder, Mädchen

Tipps

1 – Informieren Sie sich im Netz, wie lange es dauert, bis z.B. Kartoffeln oder Blumen anfangen zu wachsen. Zu Beginn kann eine kurze Wartezeit helfen, das Interesse bei den Kindern wach zu halten. Familien, die auf ihre Wohnung beschränkt sind, finden im Netz/auf Youtube viele Tricks und Tipps. Kresse zum Beispiel wächst sehr schnell und kann auch indoor gezogen werden.

2 Wer mehr Anbaufläche als eine Blumenkiste auf dem Balkon hat, kann diese Idee nutzen, um dem Kind etwas „Unternehmertum“ beizubringen. Fällt genug Ernte an, kann das Kind mit Ihrer Hilfe Verwandten und Bekannten den „Überschuss“ anbieten. Aus einem Teil der Erträge kann das nächste Saatgut bezahlt werden.

Setzen Sie sich mit dem Kind an einen Tisch und rechnen Sie zusammen auf einem Blatt Papier aus, was der Anbau kostet, wie viel Geld daraus erwirtschaftet wurde und wie viel als Gewinn übrig bleibt.

Weitere positive Nebeneffekte: Das Kind lernt Verantwortung zu tragen, an etwas dran zu bleiben und erkennt den Zusammenhang zwischen Arbeit und Lohn.

Die Kinder lernen dabei:

  1. auf etwas zu verzichten, um sich einen Wunsch zu erfüllen
  2. zu warten
  3. an etwas dran zu bleiben
  4. Verantwortung zu tragen
  5. den Zusammenhang zwischen Arbeit und Lohn kennen
  6. selbstlos anderen eine Freude zu bereiten
  7. etwas darüber, was das Leben kostet

Kinder, die diese Verhaltensweisen üben und verinnerlichen, sind gut auf die Zeit vorbereitet, wenn sie finanziell unabhängig werden. Schlechter vorbereitet sind Kinder, die zwar Taschengeld erhalten, aber nie gelernt haben, auf etwas zu verzichten oder zu warten und keine Ahnung davon haben, was das Leben kostet.

Beispiele von Belohnungen:

Two girls waiting for their presents

Es gibt Belohnungen, die Geld kosten und solche die nichts kosten – über welche wird sich Ihr Kind am meisten freuen?

  1. Mama/Papa lesen eine extra Stunde aus dem Lieblingsbuch vor
  2. Es darf ein halbe Stunde länger als sonst am PC gamen
  3. Beim Zoobesuch mit Mama/Papa kann es ein zweites Eis bekommen
  4. Beim nächsten Restaurantbesuch darf das Kind entscheiden, ob die Familie zum Italiener oder doch lieber in den Landgasthof essen geht
  5. Statt dem „normalen“ Hamsterkäfig, darf es den grösseren auswählen
  6. Im Vergnügungspark darf es ein zweites Mal auf seine Lieblingsbahn
  7. Es erhält das heissersehnte spezielle Spielzeug
  8. Es bekommt das Marken T-Shirt, ohne welches es unmöglich weiterleben kann…

(Für Kinder, die Taschengeld erhalten, können die Punkte dazu benutzt werden, den Aufpreis zum „normalen“ T-Shirt etc. zu bezahlen.)

Wertediskussion

Sie sollte ab und an wiederholt werden. Geben Sie dem Kind Zeit und Raum, eigene Ideen zu suchen, akzeptieren Sie sie, wenn sie nicht grundsätzlichen Familienwerten widersprechen. Das Kind lernt sich dabei besser kennen. Es beginnt darüber nachzudenken, was ihm wichtig ist und wo seine eigenen Werte liegen. Kinder, die sich auf diese aktive Art ihrer selbst und ihrer Wünsche bewusst werden, sehen Werbung mit anderen Augen und sind besser gerüstet, wenn Marken- und Gruppendruck anfangen, ihr Leben zu beeinflussen.

Erklären Sie dem Kind bei jeder Belohnung, warum es sie erhält. Loben Sie es für seinen Einsatz, dass es so lange an etwas dran geblieben ist, dass es von alleine auf die Idee kam, …. Mit der Zeit werden die Sprösslinge den Zusammenhang zwischen Aufwand und Belohnung/Arbeit und Lohn erkennen und ohne Ihre Erklärung wissen, dass sich Einsatz, Eigenverantwortung, Mitdenken, Warten können, Initiative, soziales Verhalten und Durchhalten lohnen – nicht nur weil Belohnungen folgen, sondern weil sie sich besser und stärker fühlen.

…und ganz nebenbei haben Sie dem Nachwuchs einige der wichtigsten Fähigkeiten rund um einen bewussten Umgang mit Geld vermittelt…

Altersgerechte und erprobte Materialien für die “Geld und Konsum Erziehung” von Kinder von 4 – 14 Jahren sowie weitere Erziehungs-Tipps finden Sie unter

www.kinder-cash.com

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Hallo liebes Kinder-Cash Team,

da das Taschengeld und das sparen bei uns zu Hause derzeit ein großes Thema ist, habe ich mich auf die Suche nach passenden Informationen rund um das Gesamtkonzept gemacht und bin dabei auf euren Beitrag gestoßen.

Meine Tochter bewegt sich derzeit stark auf die Pubertät zu und möchte jetzt unbedingt ihren ersten Handyvertrag haben. Ich finde das allerdings noch etwas früh, aber auf der anderen Seite denke ich das wir im heutigen Zeitalter früh genug damit anfangen sollten unsere Kinder auch auf Fix Kosten vor zu bereiten. Die es so früher noch nicht gab da die Digitalisierung noch nicht mal in ihren Startlöchern stand.

Ein Smartphone besitzt sie schon und weiß auch damit um zu gehen, Taschengeld und erspartes besitzt sie auch. Und somit muss jetzt ein Plan her und da ich, glücklicherweise, aus eurem Beitrag einige Ideen raus filtern konnte hat sich dieser nun auch fest gesetzt.

Ich werde ihr einen Smartphonevertrag ohne Handy machen, da ich sich dies bei einem Online Test als günstigste Variante raus gestellt hat. Sie wird die Hälfte von ihrem Taschengeld bezahlen und die andere Hälfte übernehme ich. Und falls es wirklich gar nicht klappen sollte werde ich den Vertrag meinem Mann auf’s Auge drücken.

Liebe Grüße
Gertrud

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